Die Reserve Bank of India (RBI) erhöhte ihren Referenzsatz für Repo-Geschäfte um 25 Basispunkte auf 5,50 %. Es war die erste Anhebung seit fast vier Jahren, wie aus den Berichten zur Bekanntgabe hervorgeht. Die Entscheidung fällt in eine Zeit zunehmenden Inflationsdrucks, während die Rupie weiter unter Druck steht.
Die mit dem Iran-Krieg verbundenen höheren Ölpreise zählen zu den Faktoren, die den Behörden am meisten Sorgen bereiten. Indien ist zur Deckung eines großen Teils seines Energiebedarfs auf Importe angewiesen. Daher kann teureres Rohöl die Importrechnung erhöhen und die Kosten für Unternehmen und Verbraucher in die Höhe treiben. Den Quellen zufolge könnten außerdem geringe Monsunregenfälle die Lebensmittelpreise nach oben treiben.
Inflation über dem Ziel und solides Wachstum
Die Verbraucherpreisinflation erreichte im August 4,82 % und lag damit den dritten Monat in Folge über dem mittelfristigen Ziel der RBI von 4 %. Laut der Berichterstattung von Euronews deuteten die Daten darauf hin, dass sich der Preisdruck nicht mehr auf Lebensmittel und Verkehr beschränkte. Die Zentralbank warnte zudem vor erhöhten Inflationserwartungen und einer größeren Breite der Preissteigerungen.
Gleichzeitig verzeichnet die Wirtschaft weiterhin ein robustes Wachstum. El Economista berichtet, dass die RBI ihre Wachstumsprognose für das BIP im laufenden Geschäftsjahr auf 7,1 % anhob und das Wachstum im Quartal von April bis Juni mit 7,8 % beziffert. Diese Dynamik verschafft der Zentralbank Spielraum, der Inflationsbekämpfung Vorrang einzuräumen, beseitigt jedoch nicht die Unsicherheit über die Auswirkungen der Energie- und Lebensmittelpreise.
Die Zentralbank lässt weitere Zinserhöhungen offen
Zusammen mit der Anhebung wechselte die RBI laut den Berichten von einer „neutralen“ zu einer kalibrierten beziehungsweise schrittweisen Straffung. Gouverneur Sanjay Malhotra erklärte, Umfang und Zeitpunkt möglicher weiterer Anpassungen würden davon abhängen, wie sich Inflation und Wachstum entwickelten. Die Änderung der Ausrichtung signalisiert, dass die Zentralbank der Eindämmung des Preisdrucks Vorrang einräumt, legt aber weder das Ausmaß noch den Zeitplan künftiger Entscheidungen fest.
Der Druck auf die Rupie ist ein weiterer Faktor in dieser Lage. Euronews berichtet, dass sich die Währung in den vergangenen Tagen historischen Tiefstständen genähert hat. Dies geschah vor dem Hintergrund von Verkäufen indischer Aktien durch ausländische Anleger und Ölpreisen nahe 100 US-Dollar pro Barrel. Eine schwache Währung kann Importe verteuern, doch die Quellen führen die Wechselkursentwicklung nicht ausschließlich auf die Zinspolitik zurück.
Die Quellen widersprechen sich beim Abstimmungsergebnis
Die verfügbaren Berichte stimmen beim Abstimmungsergebnis des geldpolitischen Ausschusses nicht überein: ABC und El Economista bezeichnen die Entscheidung als einstimmig, während Infobae angibt, sie sei mit Mehrheit angenommen worden und zwei Mitglieder hätten für eine Beibehaltung der Zinssätze gestimmt. Aufgrund dieser Abweichung lässt sich die Stimmenverteilung nicht als einheitlich bestätigte Tatsache darstellen.
Für Unternehmen bedeutet die Änderung ein restriktiveres geldpolitisches Umfeld: Der Repo-Satz ist der Referenzzinssatz, den die Zentralbank Geschäftsbanken für ihre Kredite berechnet. Aus der Bekanntgabe allein lässt sich jedoch nicht ableiten, wie sich die Finanzierungskosten einzelner Unternehmen verändern werden oder wie lange der Straffungszyklus andauert. Die RBI hat ihre nächsten Entscheidungen an die tatsächlichen Inflations- und Wachstumsdaten sowie an die Breite des Preisdrucks geknüpft.