Ein Agent, der Aufgaben ausführt, statt nur Fragen zu beantworten
Muse, die neue Anwendung für künstliche Intelligenz von Meta, wurde am 8. September 2026 in den Vereinigten Staaten gestartet. Anders als ein Chatbot, bei dem die Unterhaltung im Mittelpunkt steht, ist die Anwendung darauf ausgelegt, im Auftrag der nutzenden Person zu handeln: Sie kann E-Mails verfassen, Reservierungen vornehmen, Formulare ausfüllen und mithilfe einer virtuellen Umgebung in der Cloud Websites aufrufen.
Die Anwendung kann im Hintergrund arbeiten und, wenn ein Dienst keine Schnittstelle zur Verbindung von Systemen anbietet, ähnlich wie eine Person mit dem Web interagieren. Laut der Berichterstattung von El Mundo erfordern risikoreichere Aktionen – etwa das Versenden einer E-Mail oder die Durchführung einer Zahlung – eine ausdrückliche Bestätigung. Die Produktbeschreibung weist außerdem darauf hin, dass ein separater Prozess namens Sentinel kontrolliert, welche Aktionen ausgeführt werden, und sensible Zugangsdaten verwaltet.
Erste Verbreitung in den Vereinigten Staaten und Kanada
Das Marktforschungsunternehmen Apptopia schätzte, dass Muse in den ersten zwölf Tagen insgesamt 2,8 Millionen mobile Installationen verzeichnete. Davon entfielen 1,8 Millionen auf iOS-Geräte in den Vereinigten Staaten und Kanada, wie aus Zahlen hervorgeht, die TechCrunch zitierte und VnExpress aufgriff. In diesen beiden Märkten verzeichnete ChatGPT im selben Zeitraum nach seinem Start auf Mobilgeräten 1,3 Millionen iOS-Downloads.
Die Daten beziehen sich auf Installationen und Downloads innerhalb eines bestimmten Zeitraums: Sie entsprechen weder aktiven Nutzenden noch Abonnements oder einer anhaltenden Verbreitung. Dennoch führte Muse nach seiner Einführung die Rangliste des US-amerikanischen App Store an – ein Zeichen für das anfängliche Interesse in einem Markt, in dem Technologieunternehmen darum konkurrieren, KI-Assistenten in Agenten zu verwandeln, die Aufgaben erledigen können.
Kein angekündigter Termin für die Europäische Union
Die verfügbaren Quellen nennen keinen von Meta angekündigten Starttermin für Muse in Europa. Daher können weder der Zeitplan für den Start noch der konkrete Grund für die fehlende Verfügbarkeit als bestätigt gelten.
Eine von Merca2 zitierte Mitteilung von Morgan Stanley verweist auf die Verpflichtungen, die für große Plattformen in Europa gelten. Meta ist nach dem Gesetz über digitale Märkte (DMA) als Torwächter benannt, und Dienste des Unternehmens wie Facebook, Instagram und WhatsApp unterliegen dieser Regulierung. Allgemein legt der DMA Bedingungen für die kombinierte Nutzung personenbezogener Daten aus bestimmten Diensten fest und verlangt in den einschlägigen Fällen eine gültige Einwilligung. Die DSGVO regelt ihrerseits die Verarbeitung personenbezogener Daten.
Die Analyse von Morgan Stanley legt nahe, dass diese Anforderungen die Anpassung und den Zeitplan eines Agenten beeinflussen könnten, der in verschiedenen Diensten agieren kann. Dieser Auslegung zufolge könnte die Verbindung von Muse mit anderen Produkten von Meta in der Praxis voraussetzen, dass die Nutzenden ausdrücklich auswählen oder genehmigen, welche Dienste und Daten verwendet werden. Dies ist keine von Meta bestätigte Erklärung für die Verzögerung von Muse und bedeutet auch nicht, dass der DMA eine solche Kombination von Daten vollständig verbietet.
Ein hilfreicher, aber nicht schlüssiger Präzedenzfall
Meta AI, ein weniger ambitioniertes Produkt, kam im März 2025 nach Europa. Die Verzögerung hatte das Unternehmen damals laut der von Merca2 zitierten Mitteilung auf Schwierigkeiten bei der Anpassung an den regulatorischen Rahmen zurückgeführt. Dieser Präzedenzfall zeigt, dass die europäischen Anforderungen den Umfang und den Zeitplan von KI-Produkten von Meta bereits zuvor beeinflusst haben, belegt aber nicht, dass sie die konkrete Ursache für die Situation von Muse sind.
Für Unternehmen, die die Entwicklung von KI-Agenten verfolgen, ist der Unterschied zwischen der Verfügbarkeit in den Vereinigten Staaten und in Europa sowohl wegen des Produktzugangs als auch wegen der Bedingungen für die Datenverarbeitung und die Verbindung zwischen Diensten von Bedeutung. Bislang sind die von den Quellen bestätigten Fakten der Start in den Vereinigten Staaten und das Fehlen eines angekündigten Zeitplans für Europa; die Rolle der Regulierung bei dieser Verzögerung bleibt eine analytische Hypothese.