Schneider Electric hat vereinbart, das US-amerikanische Industrie-Softwareunternehmen PTC für 22,6 Milliarden US-Dollar in bar zu übernehmen. Das Angebot von 205 US-Dollar je Aktie entspricht einem Aufschlag von 42,3 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs von PTC vor der Bekanntgabe. Unter Einbeziehung der Schulden des Unternehmens beläuft sich der implizite Unternehmenswert auf rund 23,7 Milliarden US-Dollar.
Die Transaktion wäre die bislang größte Übernahme von Schneider. Der französische Konzern will sein Geschäft mit Software und künstlicher Intelligenz für die Industrie ausbauen. Die entsprechenden Werkzeuge helfen Unternehmen dabei, Produkte zu entwerfen, herzustellen, zu betreiben und instand zu halten. PTC mit Sitz in Boston betreut mehr als 30.000 Kunden.
Industrielle Software, die Entwicklung und Betrieb verbindet
Durch die Übernahme werden die Kompetenzen von PTC in den Bereichen Produktdesign und -entwicklung mit Schneiders Aktivitäten in der Energie- und Industrietechnologie zusammengeführt. Das französische Unternehmen ist der Ansicht, dass die Kombination ein umfassenderes und interoperableres Angebot an Software und industrieller KI ermöglichen wird, das Daten aus verschiedenen Phasen des Produktlebenszyklus nutzt.
Olivier Blum, CEO von Schneider Electric, bezeichnete die Übernahme als Fortschritt im Bestreben des Konzerns, eine neue Ära der Energie- und Industrieintelligenz anzuführen. Neil Barua, CEO von PTC, erklärte, das Unternehmen werde dadurch an Größe und Ressourcen gewinnen, um Innovationen zu beschleunigen und seine geografische und sektorale Präsenz auszubauen. Dies sind von den Führungskräften formulierte Ziele; in der Ankündigung werden keine konkreten Änderungen an den Produkten, der Organisation oder den Bedingungen für PTC-Kunden genannt.
Finanzierung und Unternehmensprognosen
Schneider plant, die Transaktion mit bis zu 17 Milliarden Euro an neuen Schulden und bis zu 6 Milliarden Euro aus der Ausgabe neuer Aktien zu finanzieren. Außerdem rechnet das Unternehmen mit jährlichen Einsparungen von 250 Millionen Euro im dritten Jahr nach dem Abschluss sowie mit zusätzlichen Einnahmen aus der Zusammenführung der Geschäfte von rund 800 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um Schätzungen des Unternehmens, nicht um bereits erzielte Ergebnisse.
Das Unternehmen kündigte zudem an, seine Aktienrückkäufe 2027 und 2028 vorübergehend auszusetzen und anschließend das laufende Programm zu beschleunigen. Dessen geplantes Gesamtvolumen beträgt zwischen 2,5 und 3,5 Milliarden Euro; es soll vor Ende 2030 abgeschlossen werden. Die veröffentlichten Informationen enthalten außerdem Prognosen von Schneider zu den Auswirkungen der Transaktion auf Umsatz, Margen und Gewinn je Aktie. Ob diese eintreten, hängt unter anderem vom Abschluss und von der Integration ab.
Nach Bekanntwerden der Vereinbarung fielen die Schneider-Aktien am Vormittag in Paris um mehr als 9 Prozent, wie in der Berichterstattung über den Handelstag festgehalten wurde. Diese Bewegung spiegelt die unmittelbare Reaktion der Börse wider und lässt für sich genommen keine Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung der Transaktion zu.
Die Vereinbarung benötigt noch Genehmigungen
Der Verwaltungsrat von PTC hat die Transaktion genehmigt und wird sie den Aktionären zur Abstimmung vorlegen. Der Abschluss ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen, hängt jedoch von den erforderlichen behördlichen Genehmigungen und der Zustimmung von PTC-Aktionären ab, die mindestens die Mehrheit der ausstehenden Aktien vertreten. Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, ist die Übernahme nicht abgeschlossen.
Die Ankündigung legt somit die wirtschaftlichen Bedingungen und die strategische Ausrichtung der Übernahme fest, macht aber noch keine Angaben dazu, wie die Unternehmen integriert werden oder welche betrieblichen Veränderungen sich daraus ergeben. Diese Aspekte wurden in den veröffentlichten Informationen nicht näher erläutert.