KONTEXT. URTEIL. HANDELN.
EDITIONBUSINESS.

Nützlicher Journalismus, um Unternehmen zu verstehen, zu führen und weiterzuentwickeln.

Suchen
Edition Business entdecken
Nachricht · Israel

Der Jahrestag des 7. Oktober stellt Netanyahu vor den israelischen Wahlen auf die Probe

Drei Wochen vor der Wahl stehen die Aufarbeitung der Sicherheitsversagen und der Fortbestand der Hamas in Gaza im Mittelpunkt der Debatte über die Führung des Ministerpräsidenten.

Eine steinerne Wahlurne mit einem Stimmzettel im Schlitz steht vor zerstörten Gebäuden und Trümmern unter einem Lichtstrahl.
Mit KI erzeugte konzeptuelle Illustration · Edition Business

Der dritte Jahrestag des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 fällt in Israel mitten in den Wahlkampf für die Parlamentswahlen am 27. Oktober 2026. Das Gedenken ist zu einem zentralen Thema des politischen Streits geworden: Die Opposition fordert eine staatliche Untersuchung der Sicherheitsversagen, während Ministerpräsident Benjamin Netanyahu die Vorwürfe der Nachlässigkeit zurückweist und einen Teil der Verantwortung den Sicherheitsdiensten zuschreibt.

Bei dem Angriff wurden mehr als 1.200 Menschen getötet, wie aus einer der Berichterstattungen hervorgeht; 251 Menschen wurden nach den veröffentlichten Zahlen als Geiseln genommen. Die anschließende israelische Offensive im Gazastreifen hat eine hohe Zahl palästinensischer Opfer gefordert, und der Konflikt ist noch nicht vollständig gelöst. Der Jahrestag fällt damit mit offenen Fragen zu den Entscheidungen vor dem Angriff, den Kosten des Krieges und der Erfüllung der von der Regierung angekündigten Ziele zusammen.

Die Untersuchung der Sicherheitsversagen im Mittelpunkt des Wahlkampfs

Die Opposition hat eine staatliche Untersuchungskommission zu einem ihrer wichtigsten Vorschläge gemacht. Die Oppositionsparteien sind der Ansicht, dass sowohl das Handeln der Regierung als auch das der Streitkräfte und der Geheimdienste aufgeklärt werden muss. Gadi Eisenkot, einer von Netanyahus wichtigsten Rivalen, hat diese Forderung in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gestellt.

Der Vorschlag findet Rückhalt in den von der israelischen Presse zitierten Umfragen. Eine Umfrage des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) zeigt, dass 75 % der Befragten die Untersuchung unterstützen, darunter 52 % der Wählerinnen und Wähler der Parteien der Regierungskoalition. Separat dazu stellte das Israelische Demokratie-Institut fest, dass 68 % der jüdischen Israelis den 7. Oktober als einen zentralen Faktor für ihre Wahlentscheidung betrachten. Dabei handelt es sich um Umfrageergebnisse, nicht um eine Wahlprognose oder ein Wahlergebnis.

Netanyahu hat erklärt, die Armee und die Geheimdienste hätten die Bedrohungssignale falsch gedeutet und ihn nicht rechtzeitig gewarnt. Gleichzeitig haben Berichte von Haaretz und anderen Medien die Frage aufgeworfen, ob der Ministerpräsident vor dem Angriff Warnungen erhalten und es versäumt habe, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. Diese Berichte nähren die Vorwürfe seiner Kritiker, sind für sich genommen aber nicht gleichbedeutend mit dem Ergebnis einer offiziellen Untersuchung.

Ein umkämpfter Wahlkampf und eine weiterhin offene Bilanz des Krieges

Die in den Berichten beschriebenen Umfragen deuten auf ein knappes Rennen hin und zeigen für keines der Lager eine klare Mehrheit. Einige sehen Yashar, Eisenkots Partei, vorn, doch Umfragewerte können sich ändern und legen das Ergebnis nicht fest. Für Netanyahu ist die Wahl ein Test seiner Führung nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze des Landes in verschiedenen Amtszeiten und seines Images als Garant der Sicherheit.

Auch die Lage im Krieg spielt eine Rolle. Eine Analyse von Al-Monitor, die israelische Sicherheitsquellen zitiert, besagt, Geheimdienstbewertungen gingen davon aus, dass die Hamas noch etwa 30.000 bewaffnete Kämpfer habe – eine Zahl, die ungefähr der vor dem Angriff entspreche. Diese Einschätzung stellt das Regierungsversprechen eines „totalen Sieges“ infrage, ist für sich genommen aber keine vollständige Bilanz der militärischen Fähigkeiten oder der territorialen Kontrolle der Gruppe.

Der Jahrestag bündelt somit zwei miteinander verbundene, aber unterschiedliche Debatten: Wer für die Versagen zur Verantwortung gezogen werden soll, die den Angriff ermöglichten, und inwieweit die anschließende Strategie ihre Ziele erreicht hat. Die Wahl wird die politische Unterstützung für Netanyahu und seine Rivalen messen; sie wird weder die Verantwortlichkeiten noch die Zukunft des Konflikts in Gaza von sich aus klären.

Quellen und Methodik

  1. Tres años después del 7 de octubre, el control de Hamás ... ↗www.al-monitor.com
  2. Três anos depois, massacre do 7 de Outubro põe Netanyahu à prova em eleição de Israel ↗valor.globo.com
  3. Netanyahu llega al tercer aniversario del 7 de octubre ... ↗www.elindependiente.com
  4. El tercer aniversario del 7-O, marcado por un Netanyahu ... ↗www.vozpopuli.com
  5. Israel llega al tercer aniversario de los atentados del 7-O ... ↗www.larazon.es
Redaktionelle Methodik →Korrekturen
Einen Fehler melden ↗

Weiterlesen und vertiefen