Amor fordert eine Anpassung der Einkommensteuer an die Inflation und kritisiert die Belastung durch öffentliche Abgaben
Lorenzo Amor, Präsident der Nationalen Föderation der Vereinigungen selbstständiger Erwerbstätiger (ATA) und Vizepräsident der CEOE, erklärte während seines Auftritts beim Wirtschaftsforum von El Diario Montañés, das am 6. Oktober 2026 in Santander stattfand: „Derjenige, der sich das Geld aneignet, ist der Staat.“ Mit dieser Aussage brachte Amor die Entwicklung der Löhne mit dem Anstieg der Steuerabzüge und Sozialversicherungsbeiträge in Verbindung.
Den von ihm vorgelegten Zahlen zufolge stiegen die Löhne zwischen 2017 und 2025 um 31,5 Prozent. Die Berichte über seinen Auftritt nennen für die Abgaben jedoch unterschiedliche Zuwächse: In einem ist von einem Anstieg der Lohnsteuerabzüge um 65 Prozent die Rede, in einem anderen von einem Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge um 65 Prozent. Amor wies außerdem darauf hin, dass der Intergenerationelle Gerechtigkeitsmechanismus die Beiträge um 33 Prozent erhöht habe. Diese Angaben beziehen sich auf seine Äußerungen; für sich genommen stellen sie keinen einheitlichen Vergleich gleichartiger Größen dar.
Lohn, Steuerabzug und Sozialversicherungsbeitrag sind nicht dasselbe
Der Lohn ist die Vergütung des Beschäftigten; der Einkommensteuerabzug ist eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer, und Sozialversicherungsbeiträge finanzieren das Sozialversicherungssystem. Obwohl sie sich auf den verfügbaren Betrag oder die Arbeitskosten auswirken, haben sie unterschiedliche Zwecke und Berechnungsgrundlagen. Daher reichen die genannten Prozentsätze nicht aus, um zu folgern, dass eine dieser Positionen exakt doppelt so stark gestiegen ist wie eine andere, oder um festzustellen, wie sich die Kaufkraft einzelner Personen verändert hat.
Amor sprach sich dafür aus, dass die nächste Regierung die Einkommensteuertarife an die Inflation anpasst. Eine solche Maßnahme passt die Tarifstufen im Allgemeinen an die Inflation an, um zu verhindern, dass ein nominaler Einkommensanstieg allein aufgrund der Preisentwicklung zu einer höheren Steuerbelastung führt. Er bezeichnete sie als Priorität der ATA und als Möglichkeit, die Belastung der Steuerpflichtigen zu verringern; es handelt sich nicht um eine beschlossene Maßnahme, sondern um eine politische Forderung.
Die Forderungen der ATA für Selbstständige
Bei demselben Forum kritisierte Amor die Steuerbelastung, die Bürokratie und die Rechtsunsicherheit, mit denen Selbstständige seiner Ansicht nach konfrontiert sind. Außerdem forderte er Fortschritte bei einer Umsatzsteuer-Freibetragsregelung, mehr Klarheit und Rechtssicherheit bei den Abzügen für Selbstständige sowie eine bessere soziale Absicherung. Dies sind Vorschläge und Einschätzungen der ATA, keine angekündigten, bereits geltenden Rechtsänderungen.
Der Auftritt fand vor dem Hintergrund einer Debatte über die Wirtschaftspolitik und mögliche Maßnahmen statt, die vor den Parlamentswahlen am 29. November angestoßen werden könnten, wie aus den Berichten über die Veranstaltung hervorgeht. Amor äußerte die Sorge, dass arbeitsrechtliche Maßnahmen ohne sozialen Dialog beschlossen werden könnten, und kritisierte administrative Anforderungen, die er für kleine Unternehmen als besonders belastend erachtet. Seine Kritik gibt die Position der von ihm geleiteten Organisation wieder; sie belegt für sich genommen nicht, welche tatsächlichen Auswirkungen die einzelnen Vorschriften oder Vorschläge auf alle Unternehmen haben.
Für Unternehmen macht die Debatte deutlich, wie wichtig es ist, bei der Analyse der Arbeitskosten und der Nettolöhne zwischen Steuern, Steuerabzügen und Sozialversicherungsbeiträgen zu unterscheiden. Die beim Forum genannten Zahlen veranschaulichen Amors Argumentation, doch die verfügbaren Berichte erläutern keine einheitliche Methodik, die es erlauben würde, sie als unmittelbar vergleichbare Größen zu behandeln.