Die brasilianischen Märkte reagierten deutlich auf das Ergebnis der ersten Runde der Präsidentschaftswahl. Der Bovespa schloss am Montag, dem 5. Oktober, mit 206.911,89 Punkten auf einem Rekordhoch, nachdem er um 7,7 % zugelegt hatte – der stärkste Tagesanstieg seit März 2020, wie Reuters berichtete. Auch der Real wertete auf: Er gewann gegenüber dem Dollar 4,1 % und wurde zu etwa fünf Real je Dollar gehandelt.
Der Aufschwung setzte ein, nachdem der rechtsgerichtete Kandidat und Senator Flávio Bolsonaro 47 % der Stimmen erhalten hatte und damit vor Präsident Luiz Inácio Lula da Silva lag, der rund 45 % erreichte. Keiner der beiden erhielt die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche Mehrheit: Sie treten am 25. Oktober in der Stichwahl gegeneinander an.
Was die Reaktion der Anleger beflügelte
Bolsonaros Ergebnis übertraf die Prognosen mehrerer Umfragen, die Lula im ersten Wahlgang vorn gesehen hatten. Zugleich verzeichneten Verbündete des Senators im Kongress Zugewinne. Seine Liberale Partei erhöhte ihre Vertretung im Senat von 15 auf 28 Sitze und könnte den von Reuters zitierten Prognosen zufolge 121 der 513 Sitze im Abgeordnetenhaus erhalten.
Für einige Anleger könnte diese Unterstützung im Parlament die Verabschiedung unternehmensfreundlicher Maßnahmen erleichtern, etwa eine Begrenzung der öffentlichen Ausgaben, Privatisierungen und Steuersenkungen, falls Bolsonaro die Stichwahl gewinnt. Am Montag stiegen die Aktien von Magazine Luiza, Cosan und B3 um mehr als 20 %; Petrobras legte um etwas mehr als 8 % und Bradesco um mehr als 13 % zu. Die in den USA gehandelten Aktien des Brokers XP stiegen ebenfalls um 33 %.
Auch brasilianische Anleihen machten die Bewegung mit: Die Kosten für eine Absicherung gegen einen Zahlungsausfall sanken, und die internationale Anleihe mit Fälligkeit 2056 stieg um 1,4 Cent je Dollar auf 93,5 Cent, wie aus von Reuters zitierten Daten von Tradeweb hervorgeht.
Eine Erholung aufgrund von Erwartungen, nicht wegen eines feststehenden Wahlausgangs
Die Reaktion spiegelt Marktwetten auf ein unerwartetes Ergebnis und die Möglichkeit wirtschaftlicher Veränderungen wider; sie bestätigt nicht, dass diese Maßnahmen umgesetzt werden, und garantiert auch nicht, dass die Vermögenswerte ihre Kursgewinne halten. Die Wahl ist weiterhin offen, und Wahlkampfversprechen sind nicht mit beschlossenen Maßnahmen gleichzusetzen. Zudem wird die Entwicklung des Real und der Börse vom weiteren Verlauf der Wahl sowie von anderen wirtschaftlichen und finanziellen Faktoren abhängen.
Thierry Larose, Portfoliomanager bei Vontobel, erklärte, es bleibe abzuwarten, ob Bolsonaro in Haushaltsfragen verantwortungsbewusster wäre als Lula. Seiner Einschätzung nach könnten die Märkte ihm jedoch zunächst einen Vertrauensvorschuss gewähren. Bryan Harris, Managing Partner bei Sabio, sagte, die Anleger würden nach klaren Anzeichen dafür suchen, dass der Senator die Probleme des Landes angehen wolle.
Reuters berichtete außerdem über Prognosen von Banken, denen zufolge der Real weiter aufwerten könnte. Dabei handelt es sich um unsichere Schätzungen, nicht um garantierte Ergebnisse. Unmittelbar zu beobachten ist die Marktbewegung nach der ersten Runde; der nächste politische Meilenstein ist die Stichwahl am 25. Oktober.