Die Parti Québécois (PQ) gewann die Provinzwahl am 5. Oktober und kehrt nach mehr als einem Jahrzehnt in der Opposition an die Regierung von Québec zurück. Ihr Vorsitzender, Paul St-Pierre Plamondon, gilt als nächster Premierminister der Provinz, doch die Partei errang keine absolute Mehrheit: Vorläufige Ergebnisse, auf die sich die Berichterstattung beruft, weisen ihr 59 der 127 Sitze in der Nationalversammlung zu – fünf weniger als für eine Alleinregierung erforderlich.
Das Ergebnis läutet in der frankophonen Provinz Kanadas eine neue politische Phase ein und rückt die Möglichkeit eines Unabhängigkeitsreferendums wieder in den Mittelpunkt der Debatte. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Abstimmung unmittelbar bevorsteht: Plamondon hat vorgeschlagen, damit bis nach Januar 2029 zu warten, wenn die Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident endet.
Eine Minderheitsregierung muss Unterstützung aushandeln
Da ihr die Mehrheit fehlt, muss die PQ die Unterstützung anderer Parteien suchen, um ihre Regierung zu sichern und ihre Agenda voranzubringen. Vorläufige Auszählungen, auf die sich die Nachrichtenberichte beziehen, weisen den Liberalen 40 Sitze, den Konservativen 19 und Québec solidaire neun Sitze zu. Die Zahlen können sich je nach Zeitpunkt der Auszählung ändern; in den Berichten wurden einige Ergebnisse als noch nicht bestätigt bezeichnet.
Die Sitzverteilung im Parlament setzt auch dem Souveränitätsversprechen Grenzen. France 24 berichtete, dass die Liberalen und die Konservativen gegen ein Unabhängigkeitsreferendum sind. Der Wahlsieg der PQ bedeutet daher nicht, dass sie über genügend Unterstützung verfügt, um die Abstimmung durchzuführen oder die notwendigen Maßnahmen zu ihrer Ansetzung zu verabschieden.
Das Referendum ist ein Versprechen, kein beschlossener Schritt
Plamondon hat den Zeitplan für das Referendum mit der Notwendigkeit einer Debatte verknüpft, die sich seinen Worten zufolge besonnen und ohne die mit der US-amerikanischen Politik verbundene Unsicherheit führen lässt. Es wäre die dritte Abstimmung dieser Art in Québec: Die vorangegangenen fanden 1980 und 1995 statt. Bei der letzten setzte sich laut France 24 die Option, in Kanada zu bleiben, mit knappem Vorsprung durch.
Die Berichte weisen außerdem darauf hin, dass die Unterstützung für die Unabhängigkeit in jüngeren Umfragen eine Minderheitenposition ist: DW nennt einen Wert von 31 Prozent, France 24 rund 30 Prozent. Diese Zahlen geben die in den jeweiligen Umfragen erfasste öffentliche Meinung wieder; sie sagen das Ergebnis einer künftigen Abstimmung nicht voraus. Das Wahlergebnis wiederum kann auf unterschiedliche Beweggründe zurückgehen. France 24 nennt Unzufriedenheit mit den Lebenshaltungskosten und Sorgen um den Schutz der französischen Sprache als Faktoren, die mit dem Aufstieg der PQ in Zusammenhang stehen, neben der Souveränitätsfrage.
Lebenshaltungskosten, Wohnraum und Handel zählen zu den unmittelbaren Prioritäten
In seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg versprach Plamondon, für alle Einwohner Québecs zu regieren und mit den übrigen Parteien zusammenzuarbeiten. Zudem kündigte er für den Herbst eine dringende wirtschaftliche Bestandsaufnahme sowie Maßnahmen gegen Obdachlosigkeit noch vor dem Winter an. Der kanadische Premierminister Mark Carney gratulierte ihm und erklärte seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei Themen wie der Unterstützung von Unternehmen und Beschäftigten, die von US-Zöllen betroffen sind, der Schaffung von Arbeitsplätzen und dem Bau von Wohnraum.
Für Unternehmen ist zunächst entscheidend, dass Québec eine Regierung mit einer anderen politischen Agenda erhält, die jedoch auf Verhandlungen im Parlament angewiesen ist. Die Quellen nennen keine konkreten regulatorischen oder wirtschaftlichen Änderungen, die sich aus der Wahl ergeben. Die Unsicherheit im Zusammenhang mit einem möglichen Referendum hängt von künftigen Entscheidungen und der Fähigkeit der PQ ab, Unterstützung zu gewinnen; sie darf nicht mit einer bereits beschlossenen Änderung des politischen oder wirtschaftlichen Rahmens der Provinz verwechselt werden.